Die Geschichte der Glasbläserei
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Ab dem 9. Jh. hatte Venedig die bestimmende Flotte im Mittelmeerraum, und ab dem 11. Jh. das Monopol für den Osthandel. Im Jahre 1202 startete der 4. Kreuzzug von Venedig. 1204 fiel Konstantinopel, und die Glasmacher flohen nach Venedig, wo ihre Produkte immer schon gehandelt wurden. 1400 wurde Damaskus zerstört, und bis 1486 fielen immer wieder Gebiete aus dem byzantinischen Reich an Venedig, das seine Macht und Bedeutung ausbaute, und Ende des 15. Jh. die Spitzenposition des Internationalen Glashandels hatte. Hauptprodukt dieser Glasmacher waren Perlen. Die Produktion der Perlen wurde ständig verbessert, es wurde ständig experimentiert und rationalisiert. Die Perlen waren im 15. Jh. Haupthandelsgut in alle Länder und begehrt wie nie zuvor. Die bekannte Welt wurde größer, die Nachfrage steigerte sich, die Gewinne stiegen ins unermessliche. 1516 wurde der Spiegel erfunden (Polierte Glasscheibe mit Silber), auch die Chevronperle (Aggryperle) ist eine Erfindung dieser Zeit. Über Jahrhunderte war die venezianische Glaskunst als begehrtes Luxusgut - pompöse Armleuchter wie filigrane Trinkgläser - in den Adelshäusern Europas ein Begriff. Ihr Geheimnis, das stets vom Vater auf den Sohn weitergegeben wurde, hütete man so eifersüchtig, dass die Glasmacher ihre Insel nur bei speziellen Gelegenheiten verlassen durften. Es gab einen gesetzlichen Schutz des Monopols in Venedig. 1275 wurde die Ausfuhr von Alaun, Sand und Glasbruch (Bestandteile der Glasherstellung) verboten. 1291 wurden die Glasbläser auf Murano umgesiedelt. 1454 und 1547 wurde den Glasmachern sogar verboten, Kontakt zu Verwandten und Bekannten außerhalb der Republik zu haben oder auszureisen. Venedigs Glasmacher hatten zwar hohe Privilegien, aber auf Verrat von Geheimnissen stand die Todesstrafe, denn man fürchtete, die exklusive Kunst könnte auf der ganzen Welt verbreitet und dadurch entwertet werden. Die Glasbläser hatten ein weiteres strenges Verbot: Sie durften auf keinen Fall auswandern. Der venezianische Geheimdienst setzte ihnen andernfalls nach, um sie noch im Ausland zu eliminieren. Bestimmte Rezepturen sind bis heute noch Familiengeheimnisse. Im 16. Jahrhundert lebten und arbeiteten hier 30 000 Menschen. Das Monopol Venedigs in der hochwertigen Glas- Herstellung wurde erst Ende des 17. Jahrhunderts, als die Glanzzeit der Republik Venedig mit der Machtübernahme der Franzosen endgültig zu Ende ging, von den böhmischen Glashütten aufgebrochen. Die alte Tradition der Glasbläserei wurde in den letzten Jahrzehnten wiederbelebt, und auch heute noch tragen einige Glasbläsereien die Namen der alten Familien Muranos wie der Tosi, der Seguso und der Barovier. Exportiert werden vor allem Glasstäbe zur weiteren Verarbeitung nach venezianischem Muster.
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Die Verarbeitung von Glas und Glasfärbung bzw. Entfärbung
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Je nach Verwendungszeck kann Glas unterschiedlich verarbeitet werden, dabei unterscheidet man vor allem Gläser die gepresst, geblasen, gesaugt, gesponnen oder gewalzt werden. Hohlgläser werden in mehreren Verfahren durch Pressen, Blasen, Saugen und Kombinationen dieser Techniken hergestelt. Glasfasern werden durch Spinnen im so genannten TEL-Verfahren produziert. Flachglas wurde früher durch Walzen hergestellt, bis etwa um 1950 wurden dabei mitunter Hohlgläser aufgeschnitten und flachgewalzt. Heute wird der Großteil des Flachglases im Floatprozess erzeugt, dabei wird das noch flüssige Glas auf ein Zinnbad geleitet und erstarrt auf dessen Oberfläche. Die Berührungsfläche zwischen Glas und Zinnbad weist sehr gute Eigenschafte auf und muss nicht nachbehandelt werden. Auf diese Weise lassen sich Flachgläser mit einer Breite von mehreren Metern herstellen, allerdings kann eine Dicke von etwa 2 mm nicht unterschritten werden. Die meisten Glassorten werden mit weiteren Zusatzstoffen produziert, um bestimmte Eigenschaften, wie ihre Färbung zu beeinflussen. Für die Glasfärbung, bzw. für die Entfärbung von Gläsern, die durch Verunreinigungen ihrer Rohstoffe verfärbt sind, werden vor allem Metalloxide verwendet. Grundsätzlich verwendet man für die Entfärbung Färbemittel, die die komplimentäre Farbe der Verfärbung produzieren. Eisenoxide : Färben je nach Wertigkeit des Eisenions grün-blaugrün oder gelb und in Verbindung mit Braunstein gelb sowie braun-schwarz. Kupferoxide : zweiwertiges Kupfer färbt blau, einwertiges färbt rot, daraus ergibt sich das so genannte Kupferrubinglas. Chromoxid : Wird in Verbindung mit Kupferoxid für die Grünfärbung verwendet. Uranoxid : Ergibt eine sehr feine Gelb- oder Grünfärbung (sog. "Annagelb" oder "Annagrün"-Glas) mit grüner Fluoreszenz unter dem UV-Licht. Solche Gläser wurden vor allem in der Zeit des Jugendstils hergestellt. In England und Amerika ist diese Glassorte auch als "uranium glass" oder "vaseline glass" bekannt. · · Kobaltoxid : färbt intensiv blau und wird auch für die Entfärbung verwendet. Nickeloxid : violett, rötlich auch für die Graufärbung und zur Entfärbung Selen : färbt rosa und rot, die rosa Färbung wird als "Rosalin" bezeichnet, während die rote als Selenrubin bezeichnet wird. Silber : ergibt feines Silbergelb Gold : Wird erst in Königswasser aufgelöst und färbt rot, ergibt das so genannte Goldrubin, eine der feinsten und teuersten Glasfärbungen. |