Hochwasser (Aqua alta)

Im Herbst und Winter kommt es in Venedig häufig zu Hochwasser. Als erstes wird der niedrig gelegene Markusplatz überflutet. "Acqua alta" (Hochwasser) kann von den meteorologischen Beobachtungszentren ungefähr 24 Stunden vorher angekündigt werden. Die Stadt Venedig warnt dann durch Hinweise in den Zeitungen und Schilder an den Anlegestellen. Wenn das Wasser die 1,10-Meter-Marke überschreitet, stehen schon gut 500 Häuser, also zwölf Prozent der Altstadt im Nassen. Drei bis vier Stunden zuvor ertönen dann die Sirenen. Außerdem werden nach einem genau festgelegten Plan Stege befestigt.

Ursache: Ansteigen des Meeresspiegels

Die globale Klimaerwärmung und das fortwährende Ansteigen der Meeresspiegel bedrohen auch Venedig. Klimaforscher, die sich mit Venedig befassen, rechnen mit zunehmend häufigeren und höheren Hochwassern. Nach ihren Berechnungen könnte Venedig in 50 Jahren an jedem dritten Tag unter Wasser stehen. Die Venezianer haben gelernt mit dem Hochwasser zu leben und entwickelten ganz eigene Strategien um ihre Wohnungen und sich vor den Fluten zu schützen. Bei Acqua alta blockieren überall improvisierte Blechbarrieren die Eingänge und auch die schicksten Venezianerinnen steigen dann zum Shopping beherzt in ihre Gummistiefel. Im Kampf gegen den steigenden Wasserspiegel werden Fußböden und Gehwege seit Jahrhunderten schichtweise erhöht. Ewig fortsetzen lässt sich dieses Vorgehen aber nicht.

Ursache: Absacken des Untergrundes

Venedig sinkt, seit 1900 insgesamt um genau 23 cm. Durch das gewaltige Gewicht der Bauwerke gibt langsam der sandige Untergrund nach. Besonders stark war dieser Vorgang in den 60er Jahren, als man begann, Grundwasser zu entnehmen. Dies geschah im Zuge der Ansiedlung von Industrie auf dem Festland bei Mestre und Marghera. Ende der 60er Jahre sank Venedig mit einer Geschwindigkeit von 14 Millimetern pro Jahr. Durch eine Begrenzung der Grundwasserentnahme hat sich dieser Prozess verlangsamt. Derzeit sacken nur in jüngerer Zeit bebaute Bereiche ab - um ein bis zwei Millimeter pro Jahr. Hinzu kommt, dass die Zahl der Wasserpflanzen in der Lagune durch die Wasserverschmutzung stark zurück gegangen ist. Die für das biologische Gleichgewicht wichtigen Pflanzen wirken der Erosion entgegen, festigen den Untergrund und sichern so den Erhalt der Sandbänke.

Hier eines der Bauwerke von der Wasserseite aus. Deutlich sieht man wie hoch das Wasser steht. Der Putz kann wegen der Feuchtigkeit nicht halten und lässt die Ziegel des Mauerwerks schutzlos. Die Türschwelle ist schon bei normalem Wasserstand fast unter Wasser.
Es ist aber auch der rege Schifffahrtsverkehr (das grüne Schiff ist von der Müllabfuhr) - fast das ganze Leben spielt sich auf den Kanälen ab -, welcher seinen Teil dazu beiträgt, die Häuserfassaden durch das Kielwasser zu beschädigen. Daher ist die Geschwindigkeit auf den Kanälen auch begrenzt.

Das Hochwasser von 1966 und die Folgen

1966 war das Jahrhunderthochwasser in Venedig: 194 Zentimeter über Normalnull zeigte der Pegel an. Zahlreiche Stiftungen zur Rettung der Stadt wurden ins Leben gerufen, die UNESCO schaltete sich ein. Unsummen wurden für den Erhalt von Baudenkmälern, historischer Stätten und für Forschungsprojekte bereits gestiftet. Die Komitees sind jeweils für die Finanzierung einzelner Rettungsprojekte verantwortlich. Zu den Stiftungen und Organisationen zur Rettung der Lagunenstadt gehören der britische "Venice in Peril Fund", der zum Beispiel für die Restaurierung des Dogenpalastes verantwortlich war, die amerikanische "Save Venise Inc.", "Venedig lebt" in Österreich und das italienische "Consorzio Venezia Nuova".

Quelle: Planet Wissen, Claudia Heidenfelder, Stand vom 30.09.2002

Frage: Was tut man ? Antwort: Eine Menge wird unternommen, um die Lagunenstadt zu erhalten. Die wichtigsten Projekte sind Folgende:

Wellenbrecher

In einem historischen Großprojekt mit Silvio Berlusconi - auch als Bauunternehmer - soll Venedig gerettet werden. Für rund 30 Millionen Euro werden drei gigantische Wellenbrecher in der Adria platziert. Sie sollen den Zustrom der Flut verlangsamen und den Pegel damit um vielleicht fünf Zentimeter senken.

Projekt Mose

Neben dem Ausbaggern der Kanäle mit einem Jahresetat von 20 Millionen Euro, legte der italienische Ministerpräsident den Grundstein für ein weiteres Mammutprojekt. Unter dem Decknamen "Mose" - Module sperimentale elettromeccanico - werden mobile Deiche aus unterseeischen Stahlplatten installiert. Sie sollen den Markusplatz vor Überschwemmungen bewahren.

Quelle: 3Sat

Hier einige Bilder, damit man sich das Bemühen der Venezianer um ihre Stadt besser vorstellen kann.

Ausbaggern der Kanäle
Bau der Wellenbrecher
(hier: Am Ende des Lido von Venedig)
Baggerschiffe schichten die schweren Blöcke für die Wellenbrecher auf

 

zurück